Die Rigaer Straße 78 in Berlin-Friedrichshain

 

Als nach dem Zusammenbruch der DDR eine Welle von Hausbestzungen Ost-Berlin erfasste, gehörte die Rigaer Straße 78 zu einem der ersten Häuser in Friedrichshain, das von neuen Bewohnern in Besitz genommen wurde.

Das Haus, das aus Vorderhaus, Quergebäude und zwei Seitenflügeln besteht, wurde instandbesetzt. Im Erdgeschoss entstand die Kneipe „Russenbar“, darunter im Keller gab es noch eine Kegelbahn.

Im Jahr 1994 legalisierte die Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain (WBF), der das Haus gehörte, die Besetzer und schloss mit ihnen reguläre Mietverträge ab.

Ein  verheerendes Feuer zerstörte 1998 das Erdgeschoss, die Russenbar war nicht mehr zu retten und eröffnete nach dem Brand nicht wieder.

2007 verkaufte die WBF das Haus gegen den Willen der Bewohner für 630.000 € an einen Investor. Doch der neue Eigentümer wurde mit dem Haus nicht glücklich und verkaufte es für 530.000 € an die Stiftung „Edith Maryon zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten“ aus der Schweiz.

Edith Louisa Maryon (1872-1924) war eine englische Bildhauerin. Sie gehörte zum innersten Kreis um den Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner.

Per Erbbauvertrag reichte die Stiftung das Haus an eine zu diesem Zweck gegründete GmbH weiter. Diese Gesellschaft gehört zu 51% dem Bewohnerverein und zu 49% dem Freiburger Mietshäuser Syndikat.

Das Mietshäuser Syndikat ist eine nicht-kommerziell organisierte Beteiligungsgesellschaft zum kapitalmarktunabhängigen Erwerb von Häusern, die selbstorganisiert in Gemeineigentum überführt werden, um bezahlbare Wohnungen und Raum für Initiativen zu schaffen. Im Jahr 2012 unterstützte das Syndikat 58 Projekte in Deutschland, in Friedrichshain ist es auch an der Grünberger Straße 73 (Zielona Gora) und der Scharnweberstraße 38 beteiligt.

Rigaer Straße 78